Neue Fotos!

Die Fotos des erlebnispädagogischen Seminars 2009 und der Pfingstfreizeit 2009 sind online und stehen in der Galerie zur Ansicht und zum fröhlichen Kommentieren bereit! 

Neuer Erlebnisbericht!

Zu finden unter Erlebnisberichte


Globetrotter Ausrüstung

Die Pädagogik

 

Die Pädagogik hinter der Erlebnispädagogik

Kurt Hahn

Als Gründer der Erlebnispädagogik gilt Kurt Hahn (1886 - 1974), der zu den Vertretern der "progressive education" zählt und als Gründer von Landerziehungsheimen und Kurzschulen bekannt ist. Ziel z.B. der Kurzschulen ist es, die Jugendlichen vor Situationen zu stellen, die ihnen unsere Wohlstandsgemeinschaft nicht mehr bieten kann. Unsere Gesellschaft lebt naturfremd und vom Sicherheitsdenken bestimmt. Aus diesem Mangel heraus zog Hahn die Konsequenz für eine Pädagogik, deren Kernpunkte lauten:

  • Abenteuer
  • Wagnis
  • Risiko
  • Kameradschaft
  • Erleben der Natur
  • körperliche Leistung
  • Dienst am Nächsten

Realisiert hat er diese Schlagworte vor allem in den Natursportarten, z.B. beim Bergwandern, Klettern, bei Skitouren und Kajakfahrten sowie Expeditionen und Rettungsdiensten an der See und im Gebirge.

Ebenfalls im letzten Jahrhundert, das von der beginnenden Industrialisierung, der zunehmenden Verstädterung der Menschen und der Entfremdung der Natur geprägt ist, war weltweit die Pfadfinderbewegung entstanden, gegründet von Lord Baden-Powell (1857 - 1941). Deren Ziele lassen sich ebenfalls unter dem Begriff einer Erlebnispädagogik zusammenfassen: Verlässliche Kameradschaft, Leben in der Natur, Charakterschulung durch bestimmte abzulegende Proben (Kombination von Mutproben, Können und Wissen), Zeltlager mit Elementen von Survivaltraining, Abenteuer.

In den allgemeinen Grundsätzen und den konkreten Durchführungen antworten also die Kurzschulen ebenso wie viele Jugendfreizeiten oder -lager (unter Trägerschaft der Kirchen und Wohlfahrtsverbänden) auf die von Hahn beschriebenen gesellschaftlichen, aber auch persönlichen Verfallserscheinungen:

  • Mangel an menschlicher Anteilnahme
  • Mangel an Sorgsamkeit und Geborgenheit
  • Mangel an Initiative
  • Mangel an körperlicher Leistungsfähigkeit

In ihren Programmen orientierten sich die Kurzschulen und Jugendfreizeiten an Elementen einer von Hahn beschriebenen "Erlebnistherapie":

  • Körperliches Training
  • Kameradschaft
  • Expedition
  • Projekte
  • Rettungsdienst

Neu dazu kommt in jüngerer Zeit das Gruppentraining, in dem es um die Aufarbeitung dier Erlebnisbereiche geht.

Hahn nahm an, dass der Intensitätsgrad eines Erlebnisses im späteren Leben bei ähnlichen Erfahrungen für die Wieder-Erinnerung oder Nicht-Erinnerung verantwortlich ist. Nicht die Dauer, sondern die Stärke eines Erlebnisses und handelnden Einsatzes, verbunden mit Wiederholungen, ist für das spätere Leben entscheidend. Wesenselemente der Erlebnispädagogik sind somit Felder, die Bewährung abfordern. Die existentielle Auseinandersetzung des Menschen mit der Natur, aber auch verantwortungsvoller Dienst in der Öffentlichkeit, sind für die Erlebnispädagogik natürliche Partner.

Kurt Hahn ging immer von dem "Einzelnen" aus, dessen "Erziehung zur Verantwortung" gegenüber der Gemeinschaft und den Mitmenschen. Die darin liegende Gefahr einer Individualisierung der Problematik sah er nicht. Wechselseitige Abhängigkeiten wurden nicht aufgezeigt. Hahn war überzeugt davon, dass durch die "Heilung" der Einzelnen, durch die Erziehung möglichst vieler zu "guten" Menschen eine "gute" Gesellschaft zu schaffen, wobei er die Ordnung nicht in Frage stellte. Er verstand die Erziehung als Gegenkraft zu den Einflüssen einer "kranken" Gesellschaft. Die Aufzählung dieser bereits oben genannten gesellschaftlich bedingten Mängel wiederholt er in vielen seiner Niederschriften.

Im Gegensatz zu vielen anderen Pädagogen in der Zeit der Reformpädagogik blieb Kurt Hahn nicht dabei, diese Mangelerscheinungen zu beschreiben, sondern versuchte, Veränderungen zu bewirken.